Pferd und Musik 2004
2004
Ein Beitrag des Stadtchronist Felix Saul
Am Sonntag, den 04 Juli 2004 fanden viele Freunde des Mittelalters, der Musik und Dübener Heide und besonders die Enthusiasten des Pferdesports den Weg nach Schnaditz, bei Bad Düben auf das Schloss, respektive die Schlosswiese des Junkers Gunther von Zaschnitz.
Ja, genau dieser Junker der dem Michael Kohlhaas vor 472 Jahren auf seiner Reise von Berlin zur Messe nach Leipzig, nach einem Streit im Wirtshaus Wellaune, die Pferde stahl.
Den Ausgang der Geschichte kennen die Heimat- und Literaturfreunde durch die Novelle von Heinrich v. Kleist.
Aber die Kohlhaasgeschichte war nur ein toller Programmpunkt an diesem interessanten Sonntagnachmittag. mit "Geschichten durch die Geschichte mit Pferd & Musik".
Die 4. Auflage dieser beliebten Veranstaltung fand just deshalb in Schnaditz statt, weil für das geplante Wochenende die Schlosswiese am Schloss Reinharz durch eine Hochzeit nicht frei war.
Cheforganisator Thomas Weickardt und seine Mannschaft vom "Verein der Botenreiter 1431 Bad Schmiedeberg", wollte es nicht verschieben oder gar ausfallen lassen, da ein solch umfangreiches Programm mindestens ein Jahr Vorbereitung bedarf.
Außerdem ist Schnaditz ein Ortsteil von Bad Düben, so wie Reinharz ein Ortsteil von Bad Schmiedeberg und da ist es einfach egal an welchem Standort innerhalb des viel gepriesenen ‘Städtebundes Dübener Heide‘ ein attraktiver Sonntagnachmittag für die Heidebewohner und ihren Gästen stattfindet.
Ab 13:00 Uhr nahm die Geschichte dann ihren Lauf. Die "Freidigen" aus Thüringen zeigten Ritterspiele, "ein trefflich Gestech zu Pferde". Rassige Pferde vor einem Römerwagen donnerten durch die Arena, gefolgt von der "Ungarischen Post".
Gleich darauf überfielen die Hussiten die friedlichen und fleißigen Bürger von Smedeberg (Mitglieder des Gesangvereins Lyra) und das Au-Tor stand in Flammen.
Schon sprengten die Kürfürstlichen Botenreiter auf ihren wilden Rossen herbei und hörten den flehenden Hilferuf des Smedeberger Bürgermeisters (Bürgermeister Hubertus Baum nahm selbstverständlich die Rolle persönlich war) und schon ertönten die Fanfaren des Kurfürstlichen Zuges.
Die prächtige Kutsche mit Kurfürst Friedrich dem II. von Sachsen-Wittenberg, genannt der Sanftmütige mit seiner liebreizenden Gemahlin Margarethe, 1431 auf dem Weg von Leipzig nach Wittenberg kommen der niedergebrannten Stadt Smedeberg zu Hilfe.
Der Kurfürst schenkt der Stadt ein großes Stück kurfürstlichen Waldes, "wegen getreuer und williger Dienst willen", um mit dem Holz das altehrwürdige Smedeberg wieder aufzubauen.
Schon wechselt die Szene und die Geschichte ein paar Jahre weiter.
Während das Kurfürstenpaar (übrigens das diesjährige Bad Schmiedeberger Kurfürstenpaar des Margarethenfestes Martin Pieper und Katrin Baum) von einer erlesenen Pferdedressur gefesselt wird, raubt Ritter Kunz von Kaufungen die kurfürstlichen Prinzen Ernst und Albert aus der Kutsche.
Beeindruckend wie die beiden Kinder wie Kletten auf dem Rücken der rasant galoppierenden Pferden diese Programmnummer gestalteten. Alle Programmpunkte umrahmt von höfischen Reitszenen als Solopart oder Quadrille.
Natürlich fehlten nicht die Kohlhaasschen Händel und selbst Dr. Martinus Luther war aus Wittenberg gekommen., um den Streit zu schlichten.
Ein besonderen Höhepunkt im Showprogramm präsentierte Torsten Müller. Westernreiter mit ihren Pferden.
Diese Vorführung begeisterte beim letzten Weltcupspringen in Leipzig zehntausende Fans des Pferdesports.
Den Abschluss eines 8-stündigen abwechslungsreichen Programm bildete ein Mächtigkeitsspringen.
10 Reiterinnen und Reiter hatten sich dieser Aufgabe gestellt. Nach spannenden großartigen Leistungen konnte Vorjahressieger Jürgen Miersch aus Wittenberg seinen Titel verteidigen, musste ihn aber mit Andreas Montag aus Löbnitz bei einer Höhe von 1,9 m teilen.
Insgesamt waren mit weiteren Gruppen und Darstellern über 250 Mitwirkende in historischen Gewändern und über 50 Pferde aus 18 verschiedenen Rassen zu sehen.
Eine großartige Leistung des Bad Schmiedeberger ‘Vereins der Kurfürstlichen Botenreiter 1431‘
und ihrem Cheforganisator Thomas Weickardt und seinen fleißigen Helfern.
Mit der aktiven Arbeit des Vereins wird auch unsere Margarethenfest in seiner Vielfalt unterstützt. Denn er gewährleistet die Gegenbesuche bei den befreundeten Vereinen der Region und nimmt an den jährlichen Festzügen der Torgauer Geharnischten, dem Dommitzscher Gänsebrunnenfest, zu Luthers Hochzeit, am Kohlhaasfest Wellaune bei den Kemberger Lebenszeiten und anderen Reitturnieren teil.
Schade, dass Thomas Weickardt für den Bad Schmiedeberger Stadtrat in der Kommunalwahl nicht mehr die erforderlichen Stimmen für eine Wiederwahl erhielt und aus dem Stadtrat und als Vorsitzender des Kulturausschusses ausscheiden muss.
Mit Sicherheit ein großer Verlust für die Kulturorganisation unserer Stadt.
Aufgeschrieben von Dipl.-Ing. (FH) Felix Saul Stadtführer & Stadtchronist Bad Schmiedeberg
